Claude Code als Agentic Development Partner
Wie ich Claude Code nutze, um komplexe Features deutlich schneller und sauberer zu bauen – und was sich dabei grundlegend in meiner Arbeitsweise verändert hat.
Bernd D.H. Martin
Es gibt einen Moment, den fast jeder kennt der ernsthaft mit Claude Code arbeitet: Der Agent führt gerade den siebten Schritt in einem komplexen Refactoring aus, du lehnst dich zurück – und bemerkst, dass du nicht mehr tippst. Du reviewst.
Das klingt klein. Es ist ein Paradigmenwechsel.
Was Agentic Coding wirklich bedeutet
Agentic Coding ist kein besseres Autocomplete. Der Unterschied ist fundamental:
Autocomplete reagiert auf das, was du gerade schreibst. Du führst, das Modell vervollständigt.
Agentic Coding bedeutet: Du gibst ein Ziel vor. Der Agent plant, liest Dateien, schreibt Code, führt Tests aus, korrigiert Fehler – und kommt mit einem Ergebnis zurück. Du bist nicht mehr Treiber jedes Schritts, sondern Auftraggeber und Reviewer.
Claude Code setzt das konsequenter um als alles, was ich vorher genutzt habe. Es hat Zugriff auf das Dateisystem, kann Bash-Befehle ausführen, liest Fehlermeldungen und iteriert. Ein echter Arbeitsschritt, kein Vorschlag.
Mein Setup
Das Fundament ist die CLAUDE.md im Projektstamm. Sie ist nicht optional – sie ist der Unterschied zwischen einem Agenten der das Projekt versteht und einem der rät.
Meine CLAUDE.md enthält:
- Stack und Konventionen (Nuxt 4, pnpm, TailwindCSS 4 – kein npm, kein Yarn)
- Architekturentscheidungen die nicht hinterfragt werden sollen
- Wo Vorsicht geboten ist (Content-Schema, Breaking Changes)
- Welche Befehle für Build, Lint, Typecheck existieren
Permissions teile ich in drei Stufen:
- Automatisch erlaubt — Dateien lesen und schreiben, Tests ausführen, Lint-Checks
- Nachfragen erforderlich — Pakete installieren, Git-Commits erstellen
- Immer bestätigen — Dateien löschen, destructive Operationen
Das klingt nach Overhead. In der Praxis macht es den Agenten erst produktiv, weil er innerhalb der erlaubten Zone frei und schnell arbeiten kann.
Konkrete Beispiele
Eine neue Seite von Null auf fertig
Für die Datenschutz-Seite dieser Website hat Claude Code folgendes eigenständig erledigt:
content/datenschutz.mdmit vollständigem DSGVO-konformen Inhalt erstelltdatenschutzCollection incontent.config.tsergänztapp/pages/datenschutz.vueanalog zur bestehenden Impressum-Seite gebaut- Footer-Link in
AppFooter.vueneben Impressum eingefügt
Eingabe meinerseits: ein Satz. Dauer: unter zwei Minuten. Kein Copy-Paste, kein Nachbessern der Struktur – direkt verwendbar.
Refactoring mit Kontext
Bei einem größeren Umbau der Content-Kollektion von lab/ auf labs/ – inklusive Umbenennung des Verzeichnisses, Anpassung der Config, Fix des Navigation-Lookups und Aktualisierung der Links – hat Claude Code alle betroffenen Stellen gefunden und konsistent geändert.
Das Entscheidende: Es hat nicht blind gesucht und ersetzt. Es hat die Abhängigkeiten verstanden und in der richtigen Reihenfolge angepasst.
Was ich gelernt habe
Was gut funktioniert:
- Aufgaben die klar abgegrenzt sind und einen definierten Endzustand haben
- Alles was Boilerplate, Konsistenz oder Wiederholung beinhaltet
- Fehleranalyse: Fehlermeldung reingeben, Ursache und Fix kommen zurück
Wo ich eingreife:
- Architekturentscheidungen die Auswirkungen haben die ich noch nicht absehen kann
- Alles was Produktionsdaten oder externe Systeme betrifft
- Wenn der Agent in eine Richtung läuft die ich früh korrigieren will
Überraschende Stärke: Claude Code liest Fehlermeldungen besser als ich. Nicht schneller – besser. Es erkennt Muster in Stack Traces die ich nach 20 Jahren Entwicklung immer noch zu oft falsch einschätze.
Was sich verändert hat
Ich schreibe weniger Code. Ich denke mehr über Struktur, Scope und Qualitätskriterien nach – denn das ist jetzt der eigentlich wertvolle Beitrag.
Die Fähigkeit, eine Aufgabe so zu beschreiben dass ein Agent sie autonom abarbeiten kann, ist eine echte Kompetenz. Sie ist erlernbar. Und sie unterscheidet 2026 produktive Entwickler von denen die noch jeden Schritt selbst tippen.
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